Bittner lässt die „jungen Wilden“ los

Boxring Hanau 09 e.V. begeistert bei Comeback-Sieg in der 2. Bundesliga gegen Boxteam Hanse Wismar

Offenbach / Hanau, 23. November 2015 – Mit einem Paukenschlag meldet sich der Boxring Hanau nach einem Jahr Pause zurück in der 2. Box-Bundesliga. Die von Ulrich Bittner neu zusammengestellte Mannschaft besiegte zum Saisonauftakt am Samstagabend im „Challenge Club“ in Offenbach das Boxteam Hanse Wismar nach beeindruckender Vorstellung mit 12:9.

TeamHanau Dabei ging das Heim-Team sogar mit einem 0:3-Rückstand in die Begegnung, weil Hamza Touba auf Grund eines internationalen Einsatzes nicht antreten konnte. Der etatmäßige Hanauer Mannschafts-Kapitän holte am Wochenende den Sieg beim 36. Tammer-Turnier in Tampere (Finnland). In Offenbach ging das Duell im Fliegengewicht (52 kg) deswegen kampflos schon auf der Waage an David Khachatryan für Wismar.

Die verbleibenden sieben Hanauer gaben in der Folge alles dafür, das Ruder herumzureißen, bekamen es aber mit gleichwertigen Gegnern zu tun. Die Gäste hatten die weite Anreise von über 700 Kilometern mit Sicherheit nicht auf sich genommen, um die Punkte abzuschenken. 250 Zuschauer im gut gefüllten „Challenge Club“ bekamen sieben spektakuläre Gefechte auf Augenhöhe zu sehen, bei denen die „jungen Wilden“ aus Hanau meist die Nase vorn hatten.

Im Bantamgewicht (56 kg) traf der Hanauer Younes Zaraa auf den für Wismar startenden Dänen Frederik Jensen. Jensen fand besser in den Kampf und entschied die erste Runde für sich. Zaraa tat sich gegen den viel schlagenden Dänen schwer, erarbeitete sich mit einer Leistungssteigerung in der zweiten und dritten Runde aber zumindest ein Unentschieden.

Dann sorgte Nenad Stancic für das erste echte Highlight des Abends aus Hanauer Sicht. Der Leichtgewichtler (60 kg) dominierte seinen Kampf gegen den stark eingeschätzten Wismarer Surik Jangoyan nahezu nach Belieben und fuhr einen verdienten einstimmigen Punktsieg ein.

Im Halbweltergewicht (64 kg) legte Wladislaw Baryshnik für Hanau nach. Auch er gab sich gegen Daniel Beeck keine Blöße und boxte den Wismarer nach allen Regeln der Kunst aus. Immer wieder ließ Baryshnik seinen Gegner ins Leere laufen und punktete mit sauberen Konterschlägen.

Nikitin_LeinweberNach einer kurzen Pause folgten zwei sehr enge Kämpfe. Zunächst setzte sich Stepan Nikitin im Weltergewicht (69 kg) hauchdünn mit 2:1 Richterstimmen gegen Robin Leinweber durch. Wie die meisten seiner Teamkameraden boxte Nikitin technisch sauberer als sein Wismarer Kontrahent und konnte vor allem aus der Distanz punkten.

Danach hatte Mittelgewichtler (75 kg) Meriton Rexhepi alle Hände voll zu tun mit dem in der Dominikanischen Republik geborenen Carlos Angeles Toledo. Toledo bestimmte die Anfangsphase und fügte Rexhepi einen Cut am rechten Auge zu, der den Hanauer zwar beeinträchtigte, ihn aber nicht stoppen konnte. In der dritten Runde profitierte Rexhepi von einem Punktabzug gegen Toledo, der zwei Mal seinen Mundschutz verlor. Durch die Verwarnung reichte es für den Hanauer zu einem Unentschieden. Der Cut wurde im Anschluss an die Veranstaltung im Krankenhaus geklebt.

Vor den letzten beiden Kämpfen hatten die Gastgeber also schon knapp die Nase vorn, trotzdem war noch alles drin. Doch Athanasios Kazakis machte im Halbschwergewicht (81 kg) alles klar, indem er dem für Wismar startenden Polen Lukasz Stanioch nicht den Hauch einer Chance ließ. Kazakis setzte aus der Distanz immer wieder klare Treffer und überzeugte auch mit einer guten Defensive, gegen die Stanioch einfach kein Mittel fand.

Pervizaj_Magmedov Im letzten Kampf des Abends kam es noch mal zu einem sehr ausgeglichenen Gefecht zwischen den Schwergewichtlern (91 kg) Albon Pervizaj und Timur Magmedov. Magmedov, der kurz zuvor noch in Hamburg Junioren-Olympiasieger Peter Kadiru einstimmig nach Punkten geschlagen hatte, erwies sich als erwartet harter Brocken und beeindruckte Pervizaj zu Beginn mit harten Händen. Doch spätestens ab der zweiten Runde übernahm der für Hanau startende Deutsche Junioren-Meister von 2014 das Kommando und setzte sich am Ende mit 2:1 Richterstimmen durch.

Die Fans in Offenbach feierten das siegreiche Hanauer Team, zollten aber auch den starken Gästen aus Wismar Respekt. „Das war ohne Frage die beste Box-Veranstaltung, die es in der Region seit vielen Jahren gegeben hatte“, sagte der sichtlich begeisterte Horst Gauß, Legende vom CSC Frankfurt. „So ein hohes sportliches Niveau habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Vor allem das technisch saubere Boxen der Hanauer Jungs ist eine Augenweide. Das war besser als viele Bundesliga-Veranstaltungen, die wir in der Vergangenheit auf die Beine gestellt haben.“

BRH_200413-321Auch Hanaus „Macher“ Uli Bittner freute sich natürlich über die starke Leistung seines Teams, über die er aber nur aus der Ferne unterrichtet wurde, da er zeitgleich beim Sauerland-Kampfabend in Hannover mit dem Hauptkampf zwischen Arthur Abraham und Martin Murray am Ring saß. „Nach allem, was ich gehört habe, wurde in Offenbach großer Sport geboten“, so Bittner. „Ich bin sehr stolz auf unser junges Team, das sich über das ganze Wochenende als Einheit präsentiert hat und vorbildlich aufgetreten ist. Wir hatten nur 19- und 20-Jährige im Ring, die für ihr Alter schon extrem abgeklärt und toll ausgebildet sind. Nach einem derartigen Auftakt nach Maß sollte wirklich jedem klar sein: In Hanau wächst wieder Großes zusammen!“

Weiter geht es für die „jungen Wilden“ aus Hanau schon am 5. Dezember. Dann gastiert Tabellenführer Hertha BSC Berlin im „Challenge Club“ in Offenbach. „Wir hoffen, dass sich die tolle Leistung unseres Teams schnell rumspricht und dass beim zweiten Heimkampf noch mehr Fans die Mannschaft unterstützen werden. Diese Jungs haben es wirklich verdient“, so Bittner.